15. Februar 2018

Thementag Personalisierte Medizin

Mit der Präzisionsmedizin werden Diagnostik und Therapie effizienter und kostengünstiger

Spannende Diskussionen und hochkarätige Vorträge erwarten die Besucher am Thementag Personalisierte Medizin am 13. April, von 10 bis 14 Uhr, auf der analytica in München. Experten aus Biotech-, Pharma- und IT-Diagnostikunternehmen, Verbänden und Clustern werden neueste Erkenntnisse über den aktuellen Stand und die zukünftige Ausrichtung der Personalisierten Medizin präsentieren. Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach, Managing Director und Mitgründer der dievini Hopp BioTech holding GmbH & Co KG, eröffnet den Thementag mit einer Keynote.

Im folgenden Interview wirft er einen Blick in die Zukunft der Personalisierten Medizin.

Welche Rolle wird die Personalisierte Medizin in Zukunft spielen?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Es wird in Zukunft keine andere Medizin mehr als Personalisierte Medizin geben. Durch die Möglichkeit, molekulare Muster des Menschen, wie Genome, Proteome, Metabolome usw. zu lesen und immer besser zu verstehen, kann man ein immer präziseres Verständnis über ein Krankheitsbild und dessen Behandlungsmöglichkeiten gewinnen. Diese völlig neue Erkenntnisklasse - das ´molekulare Röntgenbild´ – wird die heute schon verfügbaren Informationsquellen ergänzen. Es ermöglicht bereits heute, mit Hilfe der individuellen molekularen Muster einer Erkrankung maßgeschneiderte individuelle Therapieempfehlungen zu geben. Dies kann eine Standardtherapie sein oder vielfältige differenzierte Kombinationstherapien. Die Personalisierte Medizin ist also Präzisionsmedizin, die ganz neue Chancen und Perspektiven für Patienten eröffnet.“

„One in a million – your data will be king“ nennt sich ein Vortrag beim Thementag Personalisierte Medizin auf der analytica. In welchem Zusammenhang stehen die Digitale Transformation und Personalisierte Medizin?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Diese damit gemeinten Real World Daten (RWD) sind „king“, weil sie für alle Player im Gesundheitssystem besonders interessant sind und immer wichtiger werden. Im Vergleich zu den sogenannten RCT Daten (Randomized Clinical Trial: Ergebnisse randomisierter klinischer Studien mittels Patientenselektion) entstammen RWD nämlich aus der täglichen Realität oft multimorbider und eben nicht selektionierter Patienten und sind daher viel besser auf die klinische Alltagssituation übertragbar. Denn man will ja wissen, ob ein Medikament und eine Behandlung unter realen und nicht nur unter stark selektionierten Bedingungen wirksam sind. Anhand dieser Daten kann zum Beispiel die Pharmaindustrie Medikamente besser entwickeln, und Ärzte werden Patienten noch besser behandeln können“.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Aufgaben der Ärzte?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Durch BIG DATA und moderne Analytics werden wir in den nächsten Jahren den Übergang von einer IT-unterstützten zu einer IT-zentrischen Medizin erleben. Der Arzt wird mit einer derzeit rasant wachsenden Menge an molekularen Daten umgehen lernen. Die Digitalisierung verändert damit auch die Rolle der Ärzte und die Beziehung zwischen Arzt und Patienten. Da Patienten heute über das große Informationsangebot im Internet ein gutes Verständnis über ihr Krankheitsbild haben können, wird der Arzt immer Arzt bleiben, vermehrt aber auch die Funktion eines Coachs übernehmen, der die verschiedenen Therapieoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen, die sich z.B. aus dem individuellen Molekularmuster ergeben, mit dem Patienten bespricht, erläutert und abwägt.“

Wird mit der Personalisierten Medizin der individuelle Therapieerfolg steigen?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Ja, da alle Krankheitsbilder, nicht nur Krebs, molekulare Komponenten haben. Dadurch kann ein individuelles Krankheitsmodell des Patienten mit einer klaren molekularen Profilierung erstellt werden. Diese Zusatzinformation ermöglicht es zu verstehen, welche molekularen Kommunikationswege gestört oder aus der Balance geraten sind. Auf dieser Basis kann die Auswahl einer jeweils ganz individuellen Therapie mit höherer Wirksamkeit bei niedrigeren Risiken erfolgen.“

Welche Technologien werden für die Personalisierte Medizin benötigt?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Wichtig sind zunächst alle Verfahren, die molekulare Profile erzeugen können, so neben der Genomsequenzierung z. B. die Massenspektrometrie zur Profilierung von Proteomen. Ferner Laborverfahren, die auch auf der analytica gezeigt werden, wie Liquid Biopsy, mit der man z. B. ohne physikalische Organbiopsie nur über das Blut feststellen kann, ob und wenn ja welcher Krebs vorliegt und wie er sich molekular darstellt. Um die großen Datenmengen und vor allem unterschiedliche Datenarten in einen richtigen Zusammenhang für die Behandlung einordnen zu können, ist das Thema BIG DATA-Analytics von besonders großer Bedeutung. Denn der Interpretation dieser Datenarten im Kontext der klinischen Daten kommt eine entscheidende Rolle zu. Vermutlich ist es die zukünftige Königsdisziplin, denn Datengenerierung wird mehr und mehr commodity, so dass Daten-Integration, -Kurierung und -Interpretation entscheidend für die Qualität von Diagnose und Behandlungsunterstützung werden.“

Wie arbeiten Pharma und Diagnostik für die Personalisierte Medizin zusammen?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Die Trennung von Pharma und Diagnostik macht eigentlich keinen Sinn mehr. Es wird in Zukunft kein Therapeutikum mehr geben, das nicht mit mindestens einem Diagnostikum einhergeht. Testsysteme, die zum Beispiel Biomarker messen, werden also in Zukunft immer öfter auch von Pharmafirmen angeboten. Therapie und Diagnostik konvergieren und laufen aufeinander zu.“

Wird Personalisierte Medizin in Zukunft nur denen zugänglich sein, die es sich leisten können oder wird es „ökonomische Stellschrauben“ geben?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Ich bin überzeugt, dass durch die personalisierte Medizin die Kosten gesenkt werden können, und zwar aus zwei Gründen: Erstens wird die Sequenzierung der Genome und aller anderen ‚-ome‘ durch neueste Technologien immer günstiger. Zweitens können die Kosten, die die Pharmaindustrie für die Entwicklung von Medikamenten aufwendet, deutlich reduziert werden. Heute kommen nur gut zehn Prozent der Wirkstoffkandidaten durch die klinischen Studien, knapp 90 Prozent scheitern. Die Entwicklungskosten bis dahin müssen aber amortisiert werden. Mit Hilfe des strukturierten Literaturwissens, RWD, RCT und deren Verknüpfung durch BIG DATA Analytics kann ich zukünftig mit wenigen klar profilierten Patienten Wirksamkeit, Sicherheit und Nutzen von Arzneimittelkandidaten in kleinen Studien mit kurzer Laufzeit und hoher Erfolgswahrscheinlichkeit demonstrieren. Dadurch lassen sich die Kosten der Arzneimittelentwicklung, die heute bei über 2 Mrd. Euro pro neuem Medikament liegen, deutlich reduzieren. Die Präzisionsmedizin wird sowohl in der klinischen Anwendung als auch für Drug Development ein Kostensenker werden und damit allen im Gesundheitssystem zu Gute kommen.“

Warum ist Personalisierte Medizin in der Krebsforschung besonders wichtig?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Krebs ist eine eindeutig genetisch bedingte, lebensbedrohliche Erkrankung. Zudem sind die Behandlungskosten in der Onkologie so hoch, dass die Kosten für neue genetische Tests vergleichbar gering ins Gewicht fallen. Damit ist die Onkologie prädestiniert für die Erstnutzung dieser neuen Technologien der Personalisierten Medizin. Mittel bis langfristig werden auch alle anderen Indikationen davon profitieren. Die Präzisionsmedizin kann Krebs, ähnlich wie Aids, im ersten Schritt in eine chronische Erkrankung überführen. Das molekulare Profil des Krebses kann erstellt und die Behandlung wiederholt adjustiert werden, wenn sich das Profil über die Zeit und unter Behandlung verändert. Hinzu kommt, dass ich mit Liquid Biopsy-Verfahren aus dem Blut heraus erkennen kann, ob meine Behandlung anschlägt oder nicht. In noch weiterer Zukunft wird es vielleicht möglich sein, dass man Krankheiten wie Krebs sogar heilen kann, indem man Mutationen, die den Krebs verursachen, molekulargenetisch austauschen kann.“

Gibt es bereits konkrete Beispiele für den Erfolg der Personalisierten Medizin?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Es gibt in Deutschland bereits einige Selektivverträge zwischen Medizintechnik-Betreibern für Tumorpanels, Universitätskliniken und Krankenkassen, die es ermöglichen, bei Patienten mit einer bestimmten Krebserkrankung eine molekulare Profilierung zu erstellen, die in der klinischen Anwendung erstattet wird. Auf Basis dieser Panels können Ärzten Therapieempfehlungen gegeben werden, die die Behandlung effizienter und sicherer machen. In den USA werden sogenannte Tumorpanels sogar schon landesweit erstattet. Studien belegen eindeutig, dass die Behandlungen, die solche individuellen Marker-Panels nutzen, effizienter, nebenwirkungsfreier und somit besser für die Patienten sind.“

Wie wird Personalisierte Medizin unser Gesundheitssystem verändern?

Dr. Friedrich von Bohlen: „Die Zukunft heißt ‚outcomes based medicine‘. Heute werden Services nach Leistungskatalog abgerechnet. In Zukunft wird sich der Erfolg einer Behandlung bzw. eines Medikaments in der Erstattung wiederfinden. Behandlungserfolg kann adhoc oder im Nachgang gemessen werden. Dieses ‚value based reimbursement‘ wird Hand-in-Hand gehen mit ‚outcomes based medicine´. Und ich sehe nur Gewinner in dieser Zukunft. Allen voran und an erster Stelle der Patient“.

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