Professor Petra S. Dittrich und Dr. Matthias Selbach für Forschungsarbeit ausgezeichnet
Die beiden Wissenschaftler
Prof. Dr. Petra S. Dittrich (36), Laboratorium für Organische Chemie an der ETH
Zürich, und Dr. Matthias Selbach (39), Arbeitsgruppe "Zelluläre Signalwege
und Massenspektrometrie" am Max-Delbrück-Centrum, Berlin-Buch sind die
diesjährigen Preisträger des
analytica Forschungspreis.
Sie teilen sich den mit
insgesamt 50.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis für ihre grundlegenden
Arbeiten auf den Gebieten von Mikrochips und Zellanalytik.
Prof. Dr. Nikolaus Pfanner, Präsident der
Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM), verlieh den von
Roche gestifteten Forschungspreis beim Eröffnungsabend der
analytica 2010.
Die Chemikerin
Prof. Dr. Petra Dittrich
entwickelt scheckkartengroße Chips mit miniaturisierten Laborkomponenten und
nutzt dazu Methoden der Mikro- und Nanotechnologie. Ziel ihrer Arbeit sind
Lab-on-a-Chip-Systeme,
die alle Funktionen eines großen Labors auf einem Kunststoffträger integrieren,
um auch komplexe Analysen simultan vornehmen zu können. "Das könnte
vielleicht einmal das lange Warten auf Laborwerte überflüssig machen, weil
Blutproben oder Proben anderer Körperflüssigkeiten direkt vor Ort in der
Arztpraxis analysiert und ausgewertet werden können", erklärt die
Wissenschaftlerin.
Die winzigen Reaktionsplattformen eignen sich auch für die
Grundlagenforschung. So arbeitet Petra Dittrich derzeit an einem Chip, auf dem
einzelne Zellen aufgebracht werden können, um grundlegende Prozesse und
Reaktionsmechanismen von hochkomplexen Systemen wie einer lebenden Zelle zu
verstehen.
Der Biologe
Dr. Matthias Selbach,
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin-Buch, erforscht, wie Zellen
die Proteinbiosynthese steuern. Mit einer neuen Markierungsmethode, dem
"pulsed SILAC-Verfahren", hat er gezeigt, dass so genannte
Mikro-Ribonukleinsäuren (microRNAs) die Proteinproduktion in der Zelle
entscheidend beeinflussen. Der Wissenschaftler und sein Team haben dazu
Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, mit stabilen Isotopen markiert. Die
Zellen bauen die markierten Aminosäuren daraufhin in die Proteine ein.
Anschließend ist es möglich, die Proteinsynthese mithilfe eines
Massenspektrometers zu quantifizieren.
"Unser Ziel ist es, grundlegende
Lebensprozesse auf Proteinebene zu verstehen", sagt Matthias Selbach.
"Und es würde uns freuen, wenn sich daraus bald konkrete diagnostische und
therapeutische Anwendungen ergeben kkönnten." Die microRNAs sind sehr
kleine RNAs, die aus nur knapp zwei Dutzend Nukleotid-Bausteinen bestehen. Sie
können sich an komplementäre Abschnitte einer Boten-Ribonukleinsäure anlagern
und verhindern, dass das jeweilige Protein aufgebaut wird. Sie entscheiden
also, welche Proteine produziert werden.
Lernen
Sie die beiden Preisträger kennen!
Abstracts zu den
Forschungsarbeiten, Lebensläufe und Fotos der beiden Preisträger finden Sie
hier.
Das folgende Kurzvideo stellt Ihnen die Preisträger und ihre Forschungsarbeiten vor:
analytica Forschungspreis 2010